Wenn Dir dein Pferd droht

Frage: Hallo, mein Pferd droht mir manchmal, wenn ich zu ihm in die Box möchte. Es legt die Ohren an, oder dreht mir den Hintern zu. Was kann ich dagengen tun? Vielen Dank schonmal!

Heike

Drohen in der Box:

Antwort: Wenn Pferde ihrem Menschen drohen, wenn dieser die Box betritt, indem es die Ohren anlegt, spricht es in erster Linie für ein Respektproblem, welches aus einer Dominazhaltung/Abwehrhaltung des Pferdes gegenüber dem Menschen resultiert. Bei solchen Pferden ist Vorsicht geboten! Pferde sind von Natur aus keine aggressiven Tiere, aber bei durchschnittlich 600 Kilogramm Lebendgewicht, können schon kleine Tritte für den Menschen fatale Folgen haben.

Im Umgang mit solchen Pferden ist es wichtig einige Dinge zu wissen:

Wer weicht hat verloren -> d.h. wenn dein Pferd die Ohren anlegt und du dich bewegst, indem du einen Schritt nach hinten ausweichst (auch wenn dies unbewusst geschieht) denkt dein Pferd, es kann dich bewegen und somit bestimmen wohin du gehst.

pferd droht
Pferd droht in der Box

Pferde lernen nicht von Druck, sondern durch die Wegnahme des Drucks -> d.h. du verlangst etwas von deinem Pferd; du tippst es zum Beispiel an der Brust an, um ihm zu signalisieren dass es rückwärtsgehen soll. Du machst ihm also Druck.

Tritt dein Pferd rückwärts, hör sofort auf dein Pferd anzutippen (du nimmst den Druck also weg). Dies ist seine Bestätigung, dass es seine Aufgabe richtig gemacht hat.

Die Biegung des Halses in deine Richtung  verhindert, dass dein Pferd dich treten kann-> halte also bei den folgenden Übungen immer den Kopf des Pferdes auf deiner Seite! Lass deinem Pferd nicht die Möglichkeit, dass es alleine bestimmen kann, wann es seinen Hals gerade strecken darf oder ihn gar in die andere Richtung drehen darf. Sei also bitte hochkonzentriert!

Du möchtest also zu deinem Pferd und begibst dich zu seiner Box. Nun gibt es zwei unterschiedliche Verhaltensweisen, die solche Pferde häufig an den Tag legen. Sobald sie dich sehen, legen sie die Ohren an und drehen dir ihre Hinterhand zu, oder sie bleiben in ihrer Ausgangsposition stehen und bleiben somit auf Sichtkontakt. Manche beginnen auch in der Box dabei auf- und abzulaufen, während sie warten, bis man die Box betritt.

Genau an diesem Punkt beginnt für dich und dein Pferd das Training:

Sollte dein Pferd dir den Hintern zuwenden, nimm dir ein Seil oder das Führstrickende zur Hilfe. Nun öffne die Boxentür und beginne rhythmisch das Seilende Richtung Hinterhand des Pferdes zu schwingen- bewegt sich dein Pferd nicht, verlängere das Seilende so lange, bis du dein Pferd damit an der Hinterhand erreichen kannst.

Du schwingst das Seilende so lange weiter und machst dem Pferd damit Druck, bis dein Pferd sich in deine Richtung dreht, auch wenn dies nur einen Schritt ist. Nimm den Druck sofort weg und höre auf das Seil zu schwingen. Diese Übung wiederholst du so lange, bis dein Pferd dich vollständig ansieht und lasse ihm eine kurze Pause, in der es über das geschehene nachdenken kann.

Gehe ruhig, aber bestimmt zu deinem Pferd und halftere es auf. Legt es wiederum seinerseits die Ohren an, während du ihm das Halfter aufziehst, biege seinen Kopf schnellstmöglich auf deine Seite und halte es in dieser Position. Dabei läufst du auf die Hinterhand des Pferdes zu, hierbei beginnt das Pferd in einem Kreis zu laufen. Im Idealfall tritt dabei sein inneres Hinterbein vor das äußere Hinterbein.

Laufe ca. 5-6 Kreise mit deinem Pferd, danach bleibst du stehen und lässt deinem Pferd wieder eine Pause. In der Regel lecken sich die Pferde hier die Lippen, als Zeichen, dass sie über die Situation nachdenken.

Zeigt dein Pferd einen sanfteren Gesichtsausdruck und hat die Ohren nicht mehr angelegt, lobe es ausgiebig und laufe umgehend aus seiner Box! Das ist seine Belohnung dafür, dass es dir nicht mehr droht. Diese Pause für dein Pferd ist sehr wichtig um die Geschehnisse zu verarbeiten. Also lasse es für ca. 30 Sekunden in Ruhe, bevor du wieder seine Box betrittst. Das Halfter bleibt dabei am Pferd! Beginnt dein Pferd dir wieder zu drohen, in dem es die Ohren anlegt, nehme das Seilende und biege den Pferdekopf in deine Richtung und wiederhole die Übung wie oben beschrieben.

Nach einigen Wiederholungen bemerkt dein Pferd, dass auf jedes Ohrenanlegen und Drohen vermehrter Druck ausgeübt wird und es schwerer „ arbeiten“ muss. Zudem zeigst du deinem Pferd das du in der Lage bist, seine Füße zu kontrollieren; Stichwort „wer bewegt wen“.

Es bringt nichts zu versuchen, dein Pferd von dem unerwünschten Verhalten abzuhalten, auch wenn das Paradox klingen mag. Aber im Gegenteil: du nimmst seine eigene Idee auf und zeigst ihm so, dass seine getroffen Entscheidung nicht gerade die Beste war. Du kannst dein Pferd nur für Dinge korrigieren, die es getan hat, sonst wird es niemals die Zusammenhänge zwischen Handlung und Konsequenz erkennen.

Solltest du zur Box deines Pferdes laufen und es wartet schon mit angelegten Ohren  auf dich, nehme dir auch hier einen Führstrick oder ein Bodenarbeitsseil zur Hilfe. Im Gegensatz zu dem oben beschriebenen Handeln, schwingst du hier das Seilende Richtung Kopf/ Hals/ Schulter und das so lange, bis dein Pferd einen Schritt zur Seite oder Rückwärts tritt. Zeigt dein Pferd die von dir gewünschte Reaktion, nimm sofort den Druck weg, in dem du aufhörst das Seil zu schwingen.  Auch hier lecken sich die meisten Pferde die Lippen.

Weiter gehts!

Nun öffnest du die Boxentür, aber betrittst noch nicht seine Box. Sollte dein Pferd mit angelegten Ohren auf dich zulaufen oder auch mit nicht- angelegten Ohren auf dich zulaufen, schwingst du umgehend das Seil wieder Richtung Kopf/Hals/Schulter bis es wieder einen Schritt zur Seite oder nach hinten ausweicht. Tut es dies, lässt du ihm eine kleine Pause.

Es ist wichtig, dass du deinem Pferd nicht erlaubst in diesem Stadium einfach in deine persönlichen Bereich einzutreten, in so einem Fall zeigt so ein Verhalten eine klare Grenzüberschreitung deines Pferdes dir gegenüber.

Du wiederholst diese Übung so lange, bis dein Pferd mit einem gewissen Abstand zu dir in seiner Box steht und wartet, was du als nächstes tust. Bei Pferden die normalerweise ihren Besitzern drohen, sieht man meist schon hier eine Veränderung im Verhalten des Vierbeiners. Die meisten Pferde zeigen hier eine entspanntere Haltung, in dem sie den Kopf deutlich absenken.

Steht dein Pferd also in der Box und wartet ab (im Idealfall mit abgesenktem Kopf), verlässt du umgehend die Box!

Somit signalisierst du deinem Pferd, wenn es ein freundliches Verhalten dir gegenüber zeigt, dass es seine Ruhe vor dir bekommt.

„Und auch folgen wir dem Grundsatz: Zeigt dein Pferd ein unerwünschtes Verhalten ist das Leben deutlich schwerer, zeigt es ein erwünschtes Verhalten ist das Leben deutlich einfacher!“

Nach dem dein Pferd mit einer freundlichen Haltung auf dich wartet, halftere es auf. Sollte es dabei wieder beginnen dir zu drohen, handle wie oben beschrieben.

Warum droht mir mein Pferd?

Du fragst dich, warum dein Pferd dir droht, wenn es dich sieht und du seine Box betrittst.

Wenn Pferde solche Verhaltensweisen zeigen, kann das verschiedene Gründe haben.

Eines ist aber wichtig: nimm es nicht persönlich! Viele assoziieren mit solch einem Verhalten, dass das eigene Pferd einen nicht mag. Pferde handeln nicht aus Emotionen heraus, dass heißt wir haben gute Nachrichten. Dein Pferd mag dich trotzdemJ!

Manche Pferde reagieren in solch einem Muster, wenn sie ihren Menschen sehen, weil sie wissen, dass du kommen wirst und es aus seiner Box holen wirst und es danach etwas arbeiten muss. Mit Drohgebärden versucht es zu erreichen, dass du es in Ruhe lässt und es dich damit auf Abstand zu ihm halten kann.

Deshalb ist es wichtig, dass du dein Pferd in Ruhe lässt wenn es ein freundliches Verhalten zeigt.

Bei manchen Pferden können auch aus einem Angstmuster heraus solche Verhaltensweisen entstehen, mit denen sie versuchen sich selbst zu schützen.

Wenn das Drohen beim Putzen des Pferden auftritt:

Sollte dein Pferd auch hier drohen, in dem es nach dir schnappt oder tritt, ist es auch hier sehr wichtig, dass du versuchst nicht zu weichen.

In solchen Fällen hört man gerne von netten Stallkollegen, die einem natürlich nur gutgemeinte Ratschläge geben wollen: „ Wenn er das nächste Mal nach dir schnappt, hau ihm eine runter, dass der Gaul versteht, dass er das nicht darf.“

An dieser Stelle möchten wir dir deutlich sagen, höre nicht auf solche Sprüche. Es wird nichts bringen, dein Pferd zu schlagen, wenn es zum Beispiel beißt. Ich habe schon viele Pferde gesehen, die daraus ein regelrechtes Spiel gemacht haben: „ wie- schnell kann- ich- sie- beißen- ohne -das –sie- mich- bei- einem- Schlag –trifft“.

Wir handeln also wieder nach dem Prinzip dem Pferd zu zeigen, dass seine Idee eine schlechte war:

Bei dieser Übung ist es empfehlenswert 2 Stricke an deinem Pferd zu befestigen. Einen hängst du lose durch einen Anbindering, du bindest dein Pferd also nicht fest!

Den zweiten Strick behältst du in der Hand.

Versuche nun völlig unvoreingenommen mit deiner Putzroutine zu beginnen. Sollte dein Pferd dir drohen und/ oder die Ohren anlegen und versuchen dich zu beißen, drehe den Pferdekopf in deine Richtung. Es gibt 2 Möglichkeiten, wie du reagieren kannst:

Wenn dein Pferd eine Vorhandwende vom Boden aus beherrschen sollte, schicke seine Vorhand in die entgegengesetzte Richtung von der Seite auf welcher du dich gerade befindest. Schicke 2-3 Runden die Vorhand deines Pferdes.  Anschließend halte an, lobe dein Pferd und putze es weiter, als wäre nichts vorgefallen. Deshalb ist es hier wichtig und ratsam dein Pferd  nicht anzubinden.

Solltest du deinem Pferd auf Druck die Vorhand nicht weichen lassen können, empfehle ich dir, dies deinem Pferd schnellstmöglich beizubringen.

Bis dahin handle wie folgt: wie oben beschrieben, ist dein Pferd nicht angebunden. Droht es dir, oder versucht dich zu beißen, schicke es umgehend und deutlich mehrere Schritte Rückwärst und drehe ihm anschließend die Hinterhand. Nun bringe so schnell es geht das Pferd wieder zu dem Ausgangspunkt, an dem es zuvor stand. Putze es völlig normal weiter.

Dein Pferd wird sehr schnell lernen, dass es dich mit seinen Drohgebärden nicht beeindrucken kann und du es korrigierst, sollte es ein unerwünschtes Verhalten zeigen.

Wenn Pferde beißen ist es enorm wichtig die Pferde deutlich und bestimmt Rückwärst zu richten, denn Beißen symbolisiert eine sehr vorwärtsgerichtete Bewegung, bei dem das Pferd in deinen persönlichen Bereich eindringt.

Schlägt das Pferd mit dem Schweif oder hebt ein Bein, wenn du es putzt, verharre mit deiner Hand genau an der Stelle, an der du zuvor geputzt hast. Unterlässt dein Pferd die zuvor genannten Handlungen,  signalisiere deinem Pferd mit einer Wegnahme deiner Hand, dass dies das richtig war. So lernt dein Pferd, dass das für ihn in dem Moment unerwünschte Putzen beendet wird, sobald es aufhört Abwehrreaktionen zu zeigen. Sollte dein Pferd jedoch gezielt nach dir treten, schicke es bestimmt einige Schritte zurück.

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