Pferd klebt am Stall – Teil 1

Frage: Was kann ich tun, wenn ich nicht alleine vom Stall losreiten kann, bzw. wenn ich nur in Begleitung mit einem anderen Pferd ausreiten gehen kann? -Silke

Pferd klebt an anderen Pferden, man kann nicht alleine Ausreiten oder Spazieren gehen:

Antwort: Wenn Pferde kleben, geht das Problem oft mit wenig Vertrauen zu seinem Menschen einher. Durch den Mangel an Vertrauen, folgt das Pferd seinem Menschen nicht entspannt aus seiner Herde, da er es nicht als vertrauensvollen Führer ansieht. So wird alleine Ausreiten oder Spazieren gehen schnell zu einem Drama.

Für solche Pferde ist es häufig kein Problem ausreiten oder spazieren zu gehen, so lange ein „pferdischer Kumpel“ dabei ist, da es sich nun an dem anderen Pferd als verlässlichen Führer orientieren kann.

Erlangt man bei solchen Pferden den Respekt und Vertrauen durch sanftes, aber konsequentes Training, lösen sich die Probleme die mit dem Kleben einhergehen oft von alleine.

Pferd klebt

Auf welchem Prinzip basiert das Training?

Das Training für solche Pferde basiert auf dem Prinzip des natural Horsemanship. Um mit dem Training zu beginnen, ist es jedoch unabdingbar, dass wir einige grundlegende Sachverhalte über das Lernverhalten und die Psyche des Pferdes wissen, um dem Training folgen zu können.

Eigentlich weiß jeder, Pferde sind Herdentiere, die sich in größeren Gruppen am sichersten fühlen. Dabei gibt es in jeder Herde eine Rangordnung, die immer wieder neu zwischen den Pferden angefochten und somit überprüft wird. Auch wenn solche Rangkämpfe manchmal für uns Menschen sehr grob oder gar brutal aussehen mögen, ist für Pferde dieses Verhalten überlebenswichtig- ohne den Rang eines anderen Pferdes nicht immer wieder neu auf den Prüfstand zu stellen, könnten sich die Pferde in einer großen Herde nie sicher fühlen, da sie in einer Gefahrensituation nicht wissen würden, welchem Pferd sie folgen sollten. Jedes Pferd hat seinen Platz inne, an dem es sich sicher und wohl fühlen kann. Egal wie grob solche Kämpfe auch aussehen mögen, jede Rangordnung und damit jede Beziehung des Pferdes zu einem anderen, fußt auf Respekt und Vertrauen zu einander.

Nehmen wir Menschen nun unser Pferd aus seiner Herde, verliert es dabei seine sichere Position und fühlt sich schnell verunsichert. Denn nun bildet es mit uns eine kleine Zweierherde. Symbolisieren wir als Mensch nicht einen vertrauensvollen Herdenchef, wird es uns nicht entspannt aus seiner Herde folgen.

Zudem ist wichtig zu wissen, wie Pferde lernen: Pferde lernen nicht von Druck, sondern von dem Nachlass des Drucks!

Druck motiviert Pferde nur auf eine von uns gestellte „Frage“ nach der richtigen Antwort zu suchen. Die Wegnahme des Drucks bestätigt unser Pferd, dass seine Antwort die richtige war. Desweiteren sind Pferde von Natur aus eher „faule“ Tiere, die ihre Energie nur für das Nötigste aufsparen, um bei einer Flucht vor Fressfeinden mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit mit dem Leben davon zu kommen. Deshalb symbolisieren Pausen im Training die Belohnung des Pferdes, während denen sie sich entspannen dürfen.

Wie erfolgt das Training am Pferd?

Betrachten wir also nun das Problem, dass unser Pferd an seinen Artgenossen klebt. Daraus wiederum resultiert, dass es seinem Menschen nicht ohne Stress und Angstreaktionen aus seiner Herde folgen kann. Somit wird Ausreiten oder Spazieren gehen sehr schwer. Das Problem mit dem Vertrauen eruieren wir hier später separat.

Nach dem wir nun also wissen, wie unser Pferd lernt und was es sich bei der Arbeit von uns wünscht, nämlich einen verlässlichen Chef in unserer kleinen Zweiergemeinschaft zu finden, widmen wir uns also nun dem Problem des Klebens:

Grundsätzlich empfiehlt es sich hier ganz klar, vorerst mit dem Pferd nicht mehr alleine ausreiten oder spazieren zu gehen. Denn haben wir noch keine Basis erarbeitet, an die wir anknüpfen können, sind weitere Probleme und Frustration vorprogrammiert. Deshalb sollte man eigentlich mit jedem Pferd erst einmal vertrauensbildende Bodenarbeit vollziehen, wodurch die Resultate deutlich schneller zu erkennen wären.

Wenn mein Pferd also an anderen Pferden klebt, nehme ich seine Idee auf und vermittle ihm durch konsequentes Handeln, dass seine gewählte Idee, keine gute war. Wir handeln nach dem Prinzip, das Richtige leicht zu machen und das für uns falsche Verhalten schwer zu machen.

In diesem spezifischen Fall bedeutet dies also:

  • das Pferd möchte bei den anderen Pferden bleiben – schlechte Idee
  • das Pferd folgt uns freiwillig – gute Idee

Für die nachfolgenden Übungen empfiehlt es sich ein ruhiges Pferd als Hilfspartner hinzuzunehmen. Dieses sollte, wenn möglich nicht nervös oder schreckhaft sein, oder gar selbst an anderen Pferden kleben. Am besten eignet sich für das Training eine Reithalle oder einen eingezäunten Reitplatz. Dieses eingezäunte Areal sollte groß genug sein, dass wir unser Pferd longieren und es über einen größeren Raum bewegen können, um es effektiv arbeiten lassen zu können.

Das Pferd welches wir zur Hilfe nehmen, wird von einem Helfer festgehalten und an dem Rand eines Zirkels postiert. Das klebende Pferd nimmst du an die Longe und lässt es in einem schnellen Tempo traben und/ oder galoppieren.

Hier folgt der wichtige Teil:

Mit jedem Mal, wenn unser Pferd bei seinem Kumpel vorbeiläuft, vollziehst du ständige Richtungswechsel. Dabei erschwerst du also die Arbeit, die dein Pferd verrichten muss. Wiederhole immer wieder Richtungswechsel und Tempowechsel, bei denen dein Pferd fleißig vorwärts gehen soll. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hilfspferdes, lässt du dein Pferd entspannen und lässt es ruhig im Schritt laufen.

Nach ca. 10- 15 min mit dem Wechsel zwischen hartem Training auf der einen und Entspannung auf der anderen Zirkelseite, nehmen wir unser klebendes Pferd und führen es zügig von unserem Hilfspferd weg. Der Abstand zwischen den beiden Pferden wird von unserem klebenden Pferd bestimmt. Wir entfernen uns nur so weit, dass unser Pferd nicht nervös oder ängstlich reagiert. Zudem ist es wichtig, dass wir das Pferd so hinstellen, dass das Pferd uns ansieht und NICHT das andere Pferd. So assoziiert das Pferd die Pause und Entspannung mit uns Menschen, dabei loben wir unser Pferd ausgiebig.

Die Pause dauert ca. 5 min. Anschließend wird das Training wie oben beschrieben erneut durchgeführt mit ca. 4-5 Wiederholungen.

Das beschriebene Training wird mehrere Tage hintereinander wiederholt. Dabei steigern wir nach und nach den Abstand zwischen den zwei Pferden.

Klappt das Training problemlos in einer kontrollierten Umgebung, in der wir unsere Pferde mit deutlichem Abstand separieren können, ohne dass unser klebendes Pferd extrem nervös oder gar unkontrollierbar wird, ist es Zeit, dass gleiche Prozedere außerhalb der Halle oder des Reitplatzes zu machen. Alternativ kann man damit auch auf der Koppel beginnen.

Was lernt das Pferd bei dieser Übung?

Durch diesen Trainingsansatz lernt unser Pferd, dass es bei seinen Artgenossen harte Arbeit verrichten muss. Zeitgleich lernt unser Pferd in den Pausen zwischen den Einheiten, dass wir Menschen für ihn Entspannung und Ruhe bedeuten, da es die Ruhepausen nur in unserer Nähe erhält und diese so mit uns verknüpft. Zudem erhält das Pferd in unserer direkten Gegenwart KEINERLEI Druck, d.h. wir schicken es nicht ständig zurück oder korrigieren es unentwegt. Es soll bei diesem Training eine Korrelation zwischen Menschen und positivem Gefühl hergestellt  werden.

Dadurch fällt es unserem Pferd anschließend auch deutlich leichter, mit uns zum Beispiel einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, da unser Pferd weiß, dass wir die positive Bestärkung mit auf den Spaziergang nehmen 🙂 und somit in uns einen Ruhepol finden kann.

Durch das konsequente Wiederholen der Übung, mit stetiger Steigerung der Distanz, ist es möglich mit etwas Zeit und Geduld dem Pferd also beizubringen, sich mit uns von seiner Herde zu lösen. Am Anfang ist es mehr als empfehlenswert erst einmal Spaziergänge mit dem Pferd zu unternehmen, welche von der Dauer und Distanz nach und nach gesteigert werden.

Beim Reiten erfolgt das gleiche Schema des Trainings, wie auch auf dem Boden stattfindet.

Wie das nun beim Reiten erfolgt, erfährst du im zweiten Teil…(klicke dazu auf den Button!)

Du hast Fragen? Schreibe uns, wir können Dir weiterhelfen!

hilfe@troublefree-horsemanship.com

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